Dienstag, 22. Mai 2007

Sage-Club vs. schwule Exzentriker

Oje, oje, oje... Was habe ich da nur gemacht? Freitagabend, Superzandy, mein geschätzter Freund und DJ lädt mich in den Sage-Club ein. Er legt zusammen mit Tom Novy auf und das Line-up schreit nach einem tollen Abend. Hatte ich auch, aber mir scheint, dass ich es ein kleines bisschen übertrieben habe. Habe ich das tatsächlich? Eigentlich nicht, da ich meine, dass ich so unterwegs war wie immer, nur, dass mir ein paar Erinnerungen fehlen. Genau genommen, ca. ein bis zwei Stunden. Liebe Kinder, Finger weg von Drogen! Und falls ihr es doch mal ausprobiert, habt immer jemanden dabei der euch beobachtet und später erzählen kann, was ihr tatsächlich alles so getrieben habt.
Sage Club am 18.05.2007
Wo wir gerade beim Thema Treiben sind. Also, an diesem besagten Abend war ich mit meinem Freund Thorsten im Sage. Zu vor kam er zu mir nach Hause, wir tranken noch etwas, plauderten ein wenig und machten uns dann gegen halb zwei auf den Weg. Um zwei Uhr im Sage-Club angekommen traf mich, wie so oft wenn ein Top-DJ (in diesem Fall Tom Novy) auflegt, ein Kulturschock. Das Publikum schreite schon sehr nach Umland, also Landeier, die mal in die große Stadt fahren und den großen Tom Novy live in einem coolen Club erleben wollen. Oh ja, der große Tom Novy... Also, ich mag Tom Novy, allerdings hatte ich so das Gefühl, dass er nicht wirklich Bock hatte den Laden zu rocken. Superzandy erzählte mir später, dass er mit dem Sound sehr unzufrieden war, na ja, und ein DJ der unzufrieden ist, der verliert halt schnell das Gespür für’s Publikum. Den Landeiern war es sowieso egal, denn auch wenn der DJ weniger gut drauf ist, ist das für die immer noch ein extremgeiles Event.
Tom Novy im Sage Club
Mein Guter alter Sage-Club, was ist nur aus dir geworden? Früher, also so vor 5 Jahren, bin ich super gerne dort gewesen, denn damals war der Sage tatsächlich noch etwas Besonderes. Es war eine unglaublich tolle Stimmung, alle feierten exzessiv miteinander und an der Bar floss der Jägermeister in Strömen. Den Jägermeister verabreichte einem die Barschlampe im Übrigen oral. Wie hieß er denn noch mal? Micha, Tom, Heiko? Mir fällt sein Name nicht mehr ein, schade, aber er konnte gut küssen... Ich schweife ab. Also, damals war es einfach toll. Auch die Mischung zwischen Schwulen und Heten stimmte und niemand störte sich daran, wenn irgendwo, irgendwer mit irgendwem herumknutschte. So war es einst, aber leider ist es so schon lange nicht mehr. Okay, hier und da gibt es mal eine hauptsächlich schwule Party, wo die Stimmung dem alten Feeling nahe kommt, aber eigentlich geht man als Schwuler schon seit Jahren woanders hin. Nichts desto Trotz ist Superzandy ein Garant für super Musik, tolle Beats und Party pur. Wie auch geschehen.
Superzandy im Sage-Club
Na ja, also Thorsten und ich kamen da an, nahmen ein zwei Drinks, saßen ein wenig am Pool und auf einmal hatte ich eine Pille im Mund. Was soll’s, runter damit, denn alle paar Monate mal so ein Teil schmeißen ist schon okay und macht ja auch Spaß. War dann doch ziemlich gutes Zeug, denn es dauerte keine 30 Minuten und ich habe mich von der Musik treiben lassen und abgesehen von Thorsten alles um mich herum vergessen. Wirklich alles! Ich habe mir gerade Bilder vom Sage angesehen und musste feststellen, dass unglaublich viele Leute da waren, die ich kannte, wo ich mich aber nur noch an 3 Leute erinnern kann. Und ich bin mir sicher, dass die anderen auch auf mich zugekommen sind. Na ja, bei nächster Gelegenheit werde ich das mit denen dann noch mal auswerten. Thorsten und ich waren also auf der Tanzfläche angekommen und die Musik zog uns in einen Rausch hinein. Wir tanzten wie alle anderen, berührten uns, knutschten und machten unsere Show, nicht für den Club, sondern nur für uns. Das muss dann so zwei Stunden angedauert haben, denn auf einmal war es halb sechs, der Rausschmissscheinwerfer ging an und Superzandy spielte die letzte Nummer. Ich verabschiedete mich von ihm, nahm mir Thorsten und wir gingen in den nächsten Club, dem Berghain, nur eine S-Bahn-Station weiter.

Das Berghain ist toll, um 24 Uhr beginnt die Party dort und endet erst am nächsten Tag so gegen 16 Uhr. Genau das richtige, für exzentrische Schwule, denn im Berghain ist es tatsächlich egal wie man sich benimmt. Dort waren wir dann noch so bis 10 Uhr, hatten jede Menge Spaß und aus dem Berghain fehlen mir auch keine Erinnerungen. Gut so! Eigentlich wären wir auch gerne länger geblieben, aber wir mussten vernünftig sein, denn Thorsten hatte in der folgenden Nacht Nachtdienst und da musste er ab 18 Uhr ausgeschlafen und wieder einen klaren Kopf haben. Gesagt, getan! Alles ist gut und Thorsten und ich bereuen diese Nacht in keiner Form. Bis gestern!

Über 20 Ecken würde mir mitgeteilt, dass man Thorsten und mich im Sage gesehen und wir uns ja in den Augen dieser Person total daneben benommen hätten. Hilfe! Mist! Was habe ich getan, woran ich mich nicht mehr erinnern kann? Das mir Erinnerungen fehlen ist mir ja schon bewusst geworden, aber haben wir uns tatsächlich so daneben benommen? Nein, soviel steht in jeden Fall fest, da bin ich mir sicher. Denn wäre es so gewesen, wären früher oder später die Türsteher gekommen und hätten uns zu Recht gewiesen bzw. gebeten den Club zu verlassen. War aber nicht so, also kann es so schlimm nicht gewesen sein. Dieser Typ störte sich dran, dass Thorsten und ich auf der Tanzfläche herumknutschten, mit freien Oberkörper tanzten, gelegentlich Fickstellungen nachahmten und na ja, so ein wenig an uns rumleckten (Brustwarzen, Bauchnabel und so). Jeder normale Clubgänger stört sich an so etwas eigentlich nicht. Das machen immer nur die Leute, die selbst nicht gut drauf sind und anderen den Spaß nicht gönnen. Nachdem ich meine Informanten gebeten hatte ein wenig nachzufragen, denn jede Erinnerung, die ich erhalte, kann nur gut sein, stellte sich heraus, dass Thorsten und der Typ mal Sex miteinander hatten und dieser Typ dummerweise mit Thorsten eine miese Erinnerung verbindet. Das erklärt mir natürlich alles. Dieser Typ pikierte sich darüber dass man in einem Hetenladen sich als Schwuler nicht so exzessiv verhalten sollte, da man ja dann der ganzen Welt vermitteln würde, dass es bei den Schwulen immer nur um Sex geht. Aber natürlich, es geht verdammt noch mal immer nur um Sex! Aber nicht nur bei den Schwuppen, auch bei den Heten. In jeder unserer Handlung kann man etwas Sexuelles hinein interpretieren – unser ganzen Tun wird durch dem Instinkt der Arterhaltung bestimmt.

Aber was soll’s, ich behalte diese Nacht in einer sehr angenehmen Erinnerung. Ich hatte viel Spaß und abgesehen davon, dass mir ein paar Erinnerungen fehlen, habe ich es auch nicht übertrieben. Selbst wenn: Solcherlei Nächte kommen alle sechs bis acht Wochen mal vor, in der übrigen Zeit bin ich ein ganz normaler schwuler Mann, der zur Arbeit geht und seinen Abwasch macht. Wer seinen Pflichten nachkommt, der darf auch dreckig feiern. Es ist alles in Ordnung, solange man nicht den Überblick verliert und seinen Alltag vernachlässigt. Das machen weder Thorsten noch ich. In diesem Sinne: Let’s Rock!

Donnerstag, 17. Mai 2007

Schwule Waschweiber

Laut Definition sind Waschweiber einfache Frauen des 12. Jahrhunderts, die am Fluss Wäsche waschen und dabei über das Dorfgeschehen tratschen. Ja, wenn Frauen schon immer etwas konnten, dann – nein, ich sagte jetzt nicht Wäsche waschen – also dann haben sie alles mitbekommen und sich darüber ausgetauscht. Schwulen Männern sagt man ebenso weibliche Gene nach, biologisch völliger Quatsch, aber na ja, ihr wisst schon was ich meine. Die Wäsche macht heute der Öko-Lavamat und die Rolle des Flusses übernimmt das Telefon. Womit wir im hier und jetzt wären.

Heute Nachmittag rief ich also Stephan an. Er hatte gestern sein zweites Date mit dem Veterinärmediziner und ich hab mich mit Ole getroffen. Genug Stoff also um „Wäsche zu waschen“. Das Date von Stephan war okay, der Suhsi-Laden indem sie zuvor waren war besser, na ja, und über die Wohnung vom Veterinärmediziner hat Stephan kein gutes Wort verloren. Noch mehr blau als damals bei mir, nur das meine letzte Wohnung wenigstens noch irgendwie Struktur hatte und im richtigen Licht durchaus gemütlich wirkte. Danke Stephan, ich liebe es, wenn mein Einrichtungsgeschmack so gelobt wird. Nun war ich also an der Reihe. Ole! Ihrer erinnert euch: ER.

Ich erzählte, dass er mich nachmittags anrief und ich vorschlug, dass wir ja am Abend gemeinsam eine Flasche Wein trinken könnten. Wein allein war mir nicht genug, so beschloss ich, noch etwas Süßes mitzubringen. Was liegt da näher als ein unwiderstehliches Stück Torte aus meiner Lieblingspatisserie. Gesagt, getan! Der Wein war gut und Ole war vom Cookietörtchen sehr begeistert – Stella wird es freuen, wenn ich ihr das bei nächsten Mal erzähle. Ole und ich kamen ins Reden. Überraschender Weise redete er dieses Mal tatsächlich weniger, ich hingegen leider mehr, vielleicht zu viel. Ole war geil und hätte mich zu gerne ins Bett gezerrt, doch meine Stimmung war eher noch ein Flasche Wein, gerne auch zwei und tratschen, tratschen, tratschen. Davon erzählte ich also Stephan und es warf sich die Frage auf, ob ich aufgrund der Tatsache, dass ich Oles Verlangen nach Sex nicht nachgekommen bin, bei ihm nicht vielleicht auch das Interesse an meiner Person gekillt habe. Gute Frage und berechtigt. Eigentlich sollte man meinen, dass Sex nicht primär ist, sondern es um den Menschen geht. Aber tickt die schwule Welt tatsächlich so?

Betrachten wir es mal realistisch: Ole kennt man aus dem Fernsehen, er geht langsam auf die 40 zu, ist ein sehr kommunikativer Mensch und kennt Hinz und Kunz. Einsam ist er garantiert nicht – im Gegenteil. Ich weiß er ist unglaublich viel unterwegs, ist jeden Tag mit einem Freund oder Freundin verabredet und wenn nicht findet er es auch gar nicht schlimm zu Hause allein zu sein und z.B. PS3 zu spielen. Aber was bin ich? Ein netter Typ, klar. Intelligent, manchmal auch witzig, ich bin ein guter Zuhörer und irgendwie habe ich auch Charme. Alles schön und gut, aber all das ist nichts Spektakuläres und findet man bei vielen Menschen. Gibt es also für Ole einen realistischen Grund mich in den Kreis seiner Freunde aufzunehmen? Mir fällt keiner ein, zumindest keiner, der mich zu etwas besonderen macht. Also bin ich eine Bekanntschaft, ein Typ den er geil findet und mit dem er ficken will. Komme ich aber diesem Wunsch nicht nach, bin ich doch jemand, der entbehrlich ist. Ich bin einer von vielen, einer, der mal einen kleinen Einblick in sein Leben bekam, mehr aber nicht. Ich persönlich glaube ja, dass ER so ein Mensch nicht ist, aber ich kann natürlich auch die Bedenken, die Stephan geäußert hat, voll und ganz nachvollziehen. Ich hoffe nur, dass ich und nicht, wie so oft, Stephan recht behält.

Was kann ich also daraus lernen? Nichts, denn es ist noch nichts passiert, was unsere Vermutungen bekräftigt. Ein Risiko ist sicherlich da, aber ein Risiko besteht auch, wenn bei rot über die Ampel geht. Das Leben macht was es will und es geht verdammt noch mal immer weiter. (Fortsetzung folgt.)

Dienstag, 15. Mai 2007

Olé, Olé

Zack! Da war ER. Ich habe auf ihn gewartet und wusste irgendwann mal lernst du ihn kennen. Es geschah gestern Abend. Wie so oft in der schwulen Welt begegnet man sich zufällig im Internet, natürlich – wie sollte es auch anders sein – bei gayromeo.com. Er schlenderte so an meinem Profil vorbei und das war’s. Hey, Moment mal, dachte ich mir, dass ist ER doch und wann immer du ihm im Fernsehen gesehen hast, wusstest du, dass du ihn kennen lernen willst. Meine erste Begegnung hatte ich ja bereits vor drei oder vier Jahren mit ihm. Im Berio, dem schwulen Café schlechthin am Schöneberger Catwalk. Dort saß ER ein paar Tische weiter und genoss seinen Milchkaffee und rauchte dazu eine Marlboro Light. Damals fragte ich mich: Ist er es tatsächlich? Ich hatte ihn damals nur mit kurzen Haaren in Erinnerung, aber zu diesem Zeitpunkt trug er sie schon so, wie man es jetzt vom ihm kennt. Ich war mir unsicher und entschloss mich, ihn erst einmal nicht anzuquatschen, sondern mich erst zu vergewissern ob er es tatsächlich ist. ER war es, wie mir Google später verriet und na ja, es war eine verpasste Chance. So what! Berlin ist ein Dorf und früher oder später läuft man sich garantiert ein zweites Mal über den Weg. Aus den Augen, aus den Sinn.

Bis gestern! Denn auf einmal war er greifbar nah, ich musste ihm nur eine Message schreiben und darauf hoffen, dass er antwortet. Ich schrieb: „Hey, mit dir würde ich ja gerne mal einen Kaffee trinken gehen!“ Nichts spektakuläres, aber bei weitem besser, als die sonst übliche Kommunikation, die meist aus einen einfachen „Hi, wie geht’s dir?“ besteht, wobei Groß- & Kleinschreibung und korrekte Kommata schon ein Wunder wären. Ich selbst reagiere auf so was nur selten, okay, ich gebe jedem eine Chance und antworte nett und hoffe darauf, dass in der zweiten, spätestens in der dritten Message, etwas zurück kommt, was meinem Anspruch an Kommunikation gerecht wird, aber oft genug ist das nicht der Fall. ER hat geantwortet und schrieb: „Ich würde mit dir auch gerne einen Kaffee trinken gehen...oder auch zwei!“ Der erste Schritt war getan. Wie messageten dann noch ein wenig weiter, ich versuchte witzig zu sein, er machte mir Komplimente, wir sprachen über unsere Kinder (also die Hunde) und dann fragte er mich, ob ich nicht Lust hätte so ganz spontan mit ihm ein Feierabendbier trinken zu gehen. Ein Mann nach meinem Geschmack, bisschen Smalltalk, aber dann zur Sache und gar nicht erst hinaus schieben. Das Hinausschieben ist nämlich auch so eine Marotte bei gayromeo.com. Wie oft habe ich das schon erlebt, dass man sich mit einem netten Typen unterhält und sich mit ihm treffen wollte. Und dann kommt so was: „Hach, es ist heute schon ganz schön spät, ich bin müde, können wir uns nicht irgendwann in den nächsten Tagen treffen?“ – Klar, können wir, mal sehen, schreib mich einfach an und dann gucken wir mal. Man trifft sich nie in den nächsten Tagen, zumindest in den seltensten Fällen. Denn, Hallo, ich habe in dem Moment Bock mich zu treffen, in ein oder zwei Tagen interessiert mich etwas anderes und wenn es nur das Fernsehprogramm ist.

Ich schweife ab. Also ER wollte sich jetzt mit mir treffen und ich hatte Lust, zumal es – wie erwähnt – irgendwann mal in den nächsten Tagen unter Umständen nicht dazu kommen würde. Zack, hatte ich seine Telefonnummer und ich rief ihn an. Er war witzig am Telefon, ich hoffentlich auch. Wir wollten dann ins Freizeitheim, mein Lieblingsladen in Prenzlauer Berg, aber das Freizeitheim hatte zu und so landeten wir im Schall und Rauch, einem Lokal, wo er häufig zu Gegen war und die ganze Mischpoke kannte. Natürlich kam er zu spät und er war nass, denn er kam mitten in den Wolkenbruch und seine zu Recht gemachten Haare waren zerstört. Solche Momente zeigen mir immer wieder, dass es gut ist, dass ich meist eine Mütze trage. Er trank Beck’s, ich Wein, sein Hund Charlie hatte nur Leckerlies im Kopf und die Barschlampen, Matthias und Sebastian (und nicht Andreas, wie ich ihn nannte – Sorry, Sebastian!) hatten nichts zu tun und stahlen mir die Show. Dennoch hatte ich genug Gelegenheit mehr über ihn zu erfahren und muss sagen, dass ich mir ihn so tatsächlich vorgestellt hatte. Mir war klar, dass er gerne redet, viel redet, sehr viel redet, aber ich fand hier und da durchaus auch die Gelegenheit kurz etwas über mich zu erzählen. Gegen 1 Uhr wurden dann Sebastian und Matthias ungeduldig und wollten Feierabend machen. Ich kann es verstehen, denn ich habe selbst oft genug hinter der Bar gearbeitet und meine letzten zwei Gäste verflucht, da sie einfach nicht nach Hause wollten und ich bereits alles Notwendige erledigt hatte. Ich brüllte in den Raum: „Jungs, wenn ihr uns endlich loswerden wollt, dann bringt uns mal noch einen Schnaps aufs Haus!“ Hat funktioniert. Es funktioniert immer. Sebastian, ich nannte ihn natürlich Andreas, brachte uns beiden Jägermeister mit Maracuja gemischt - Prost! Also rauchten wir noch eine und beschlossen, dann zu ihm zu gehen um dort noch einen Absacker zu trinken.

Er wohnte in einer Altbauwohnung in der Schönhauser Allee. 3. Etage, 3 Zimmer, hohe Decken und im Wohnzimmer ein riesiger Ofen – ich war von diesem Ofen begeistert, denn ich mag Ofenwärme sehr. Das Zentrum seines Wohnzimmers war eine riesige Sofalandschaft, wo man bequem eine Großfamilie von 10 Personen darauf platzieren könnte. Ansonsten war seine Wohnung ein wenig chaotisch, wenig persönliche Erinnerungsstücke, aber zumindest eine Grünpflanze. Wir tranken Bailey's Caramel und saßen uns auf dem Sofa gegenüber. Wir hatten Körperkontakt. Er redete weiter, beantworte meine Fragen, die ich ihm aufdrängte und jetzt hatte ich sogar etwas häufiger die Gelegenheit etwas zu erzählen.

Im Übrigen, wenn du dass hier irgendwann mal liest: Es stört mich nicht, dass du fast nur über dich geredet hast, ich höre gerne zu und es hat mich natürlich auch interessiert. Für alle anderen: Keine Chance, ich werde hier keine Details preisgeben, zwischen den Zeilen steht sehr viel, mehr gibt es nicht.

Die Zeit verging, es war 20 vor Vier und er sagte dann zu mir, dass er jetzt ins Bett müsse, da ja die Putzfrau um 9 Uhr kommt. Er fragte mich, ob ich mich zu ihm ins Bett lege oder nach Hause gehen wollte - Ich ging nach Hause. Nicht, dass ich nicht gewollt hätte, aber mein Hund war allein, hatte noch nichts zu essen bekommen und außerdem war ich auch ein wenig zu betrunken, zu sehr, dass ich in solchen Momenten lieber die Nacht allein verbringen will. Er bekam einen Abschiedskuss und ich machte mich auf den Weg durch die Nacht.

Ein paar Minuten später erhielt ich eine SMS in der er sich für den schönen Abend bedankte und mir mitteilte, dass er nun im Bett sei und wie toll er es jetzt finden würde, wenn ich an seiner Seite liegen würde. Was schrieb ich zurück? „Ich habe zu danken und wahres Begehren findet sich in der Geduld!“ Boah, wie konnte ich nur so einen Mist schreiben. Es tut mir leid!

Sei es drum, mal sehen, ob er sich ein weiteres Mal mit mir treffen wird. Ich hoffe es und hoffe darüber hinaus, dass ich beim nächsten Mal nicht nach zwei Gläsern Wein, einem Shooter und zwei Bailey's Caramel so angetrunken bin. Eigentlich vertrage ich mehr. Olé-Olé !!!

Sonntag, 13. Mai 2007

Andreas

18 Jahre und ungeküsst. Wenig Selbstbewusstsein, religiös und er wohnt in einem Ort, wo man ohne PKW keine Chance hat, zu entfliehen. Andreas mag mich, vielleicht hat er sich sogar ein wenig in mich verknallt, aber ich behandle ihn seit 3 Tagen mit sehr viel Distanz. Das hat er nicht verdient, aber ich muss in meiner momentanen Verfassung mir am nächsten sein. Egoismus ist nie schön, aber er gehört nun mal zum Leben dazu.

Angefangen hat alles vor knapp 3 Wochen. Ich chattete bei gayromeo.com – keine Ahnung, warum – vielleicht wollte, ich mir etwas zum Ficken suchen oder einfach auch nur die Zeit totschlagen. Na ja, da war er also online: 18 Jahre jung, scheinbar ganz süß und auf der Suche nach sich selbst. Wer ist das nicht? Wir kamen ins Chatten und mussten (Was heißt mussten? Haben!), also haben festgestellt, dass wir einen ganz guten Draht zueinander besitzen. Wir redeten über alles Mögliche und darüber, dass Andreas mit fast 19 Jahren noch nie Sex gehabt hatte, geschweige sich geküsst oder nur Händchen gehalten hat. Ein absoluter Spätzünder, was nicht zuletzt daran lag, dass er in einer Gegend wohnt, die mit Schwulen nicht gerade gesegnet ist und na ja, natürlich auch daran das er schüchtern ist. Auf jeden Fall hat er sich vorgenommen, dass nach seinen Abiturprüfungen endlich Schluss damit sein sollte.

Wenn ich mich an meine Teenagerzeit zurückerinnere, war ich das absolute Gegenteil von Andreas. Das Einzige, was mich mit ihm verbindet, ist, dass wir aus derselben Gegend kommen. Ich hatte meine ersten sexuellen Erfahrungen bereits mit 12, wohlbemerkt schwule Erfahrungen. Später kamen die heterosexuellen dazu und, na ja, mit 16 hielt mich auch nichts mehr auf, ich trieb mich oft in Berlin herum und wollte die schwule Welt kennen lernen. Mit 16 ½ wurde ich dann das erste Mal in den Arsch gefickt und fand es geil. In den darauffolgenden Jahren hatte ich was mit Männern und Frauen, schwuler Sex war geiler, aber man nimmt halt, was man bekommt. Andreas hingegen sagt von sich, dass er immer wusste, dass er schwul ist und daher nie Anstrengungen unternahm, sich mit einem Mädchen einzulassen. Okay, so was soll es ja geben. Na ja, er träumt davon, dass sein erster schwuler Sex auf einer zufälligen Begegnung beruht und wäre ebenso nicht abgeneigt, dass sein erster Sexualpartner dann auch sein Freund (im Sinne von Beziehung) wird.

Unsere täglichen, oft nächtlichen Chats, führten letztendlich dazu, dass Andreas mich zum Auserwählten machte, der ihn das erste Mal fickt. Gerne, ich mag ihn und mag es auch, dass ich in dieserlei Hinsicht ihm irgendetwas beibringen kann. Ich glaube, ich wäre gut für ihn. Durch mich würde Andreas erfahren, dass er etwas wert, wert und begehrenswert ist. Ich respektiere ihn und wäre unter Umständen nicht einmal abgeneigt, mich auf eine Beziehung mit ihm einzulassen. Gerechterweise sollte ich vielleicht auch erwähnen, dass eine Beziehung mit ihm unter keinem guten Stern stehen würde: Altersunterschied 10 Jahre (kommt man mit klar, aber ist nicht unproblematisch), Fernbeziehung (weil Andreas nicht in Berlin wohnt, wäre schwierig!), teilweise sehr unterschiedliche Interessen (kann gut sein, muss aber nicht, aber er ist begeisterungsfähig, was letztendlich dafür spricht) und zu guter Letzt, er ist von seinen Eltern abhängig und das ist ein großes Problem. Ohne seine Eltern (ohne PKW) ist der Weg zum Bahnhof schwierig, ohne die Erlaubnis seiner Eltern, würde er nicht nach Berlin kommen, na ja, und natürlich kommt von den Eltern auch das Geld, ohne das es leider nicht geht. Da ich nun nicht leider auch nicht der tolle und erfolgreiche Typ bin, kein Auto (geschweige Führerschein) und auch kein dickes Bankkonto habe, kann ich Andreas leider auch nichts von der Abhängigkeit zu seinen Eltern nehmen. Leider, denn wäre es so, wäre ich schon so manche Nacht zum ihm gefahren und hätte ihn auf ein kleines nächtliches Abenteuer abgeholt. Also mussten wir beide warten, warten auf eine günstige Gelegenheit.

Diese Gelegenheit sollte heute sein. Am Freitag hatte Andreas seine letzte Abiprüfung und wollte sich danach einen kleinen Urlaub bei seinem Schwager gönnen. Praktischerweise, liegt Berlin auf dem Weg zu seinem Schwager und bei seinem Schwager ist Andreas auch schon geoutet, womit er ihn zu einem Verbündeten machen konnte. Der Plan war, dass er offiziell zu seinem Schwager fährt, vorher aber einen ein- bis zweitägigen Zwischenstopp bei mir in Berlin macht. Das war der Plan, aber Pläne scheitern ja gerne mal. Grund des Scheiterns diesesmal: natürlich, die Mutter! Fuck und dabei hätte mir der heutige Tag so viel Gutes gebracht. Am Donnerstag hatte ich meinen seelischen Zusammenbruch und das Einzige, worauf ich mich freute bzw. woran ich mich klammerte, waren die ein bis zwei Tage mit Andreas. Zuneigung, Geborgenheit und Sex – Balsam für meine gereizte Seele. Doch es war vergönnt, warum sollte es auch nur irgendein kleines Licht am Ende des Tunnels geben?

Die Quintessenz des Ganzen ist aber noch schlimmer. Als ich am Freitag erfuhr, dass es mit meinem Date am Sonntag nichts wird, habe ich erstmal nichts unversucht gelassen, es irgendwie doch noch möglich zu machen. Ich habe versucht Andreas zu überreden, in der Hoffnung, dass er zu Hause Ärger in den Kauf nimmt und dennoch seinen Willen – mich zu besuchen – durchsetzt. Tat er aber nicht! Stattdessen schlug er mir einen Alternativtermin vor: das erste Juni-Wochenende, also erst in drei Wochen. Unter normalen Umständen hätte ich gesagt: Schade, aber okay! Doch die Umstände sind nicht normal, sondern das Gegenteil. Mit der Absage von Andreas wurde mir die einzige Hoffnung genommen, um halbwegs gut über die nächsten Tage zu kommen. Doch damit nicht genug. Meine Enttäuschung war so groß, dass ich über Sinn und Unsinn dieser Internetbekanntschaft nachgedacht habe. Aufgrund meiner generell miesen Stimmung ist meine Betrachtungsweise knallhart und realistisch gewesen, es ist etwas Wahres dran, aber all das ist nichts Unumstößliches. Alles, was ich als Bedenken oder möglichen Folgen geäußert habe, ist möglich, aber es liegt in der eigenen Hand es wahr oder nicht wahr werden zu lassen.

ANDREAS, wenn du das hier irgendwann mal liest: Es tut mir leid! Geh diesen, wenn auch sehr steinigen Weg mit mir gemeinsam.

Freitag, 11. Mai 2007

10. Mai 2007

Warum schreibt man eigentlich immer nur dann Tagebuch, wenn es einem schlecht geht? Weil es sonst nichts zu erzählen gäbe? Ja, vermutlich ist es das. Ich bin gerade temporär depressiv! Ich fühle mich einsam, überfordert und habe Zukunftsängste. Ich befinde mich in einem tiefen Schacht. Nach oben geht es nicht, nach unten auch nicht. In hänge in einem Netz und komme einfach nicht weiter, weder nach oben, noch nach ganz unten in den Dreck. Will ich nach oben, bricht der Boden unter meinen Füßen weg, ich stehe auf der Stelle, einer Stelle, auf der es nicht schön ist, es ist scheiße hier, hier kann und will ich nicht leben. Nach unten geht es aber auch nicht, obwohl es der beste Ausweg wäre, denn ich weiß, wenn ich ganz unten im Dreck liege, kann ich wieder die Kraft entwicklen, um nach oben zu klettern. Vielleicht muss ich einen Umweg nehmen, es kann lange dauern, aber es würde – wenn auch in kleinen Schritten – endlich wieder vorangehen. Ich brauche Hilfe!

Vermutlich geht es mein ganzes Leben so schon, aber so richtig angefangen hat es vor 5 Monaten. Stephan, mit dem ich zu diesem Zeitpunkt ein Jahr zusammen war und zusammenwohnte, hat mich verlassen. Unsere Situation hat ihn mental so unter Druck gesetzt, dass er mich loswerden musste. Er begehrte mich nicht mehr und wollte sein Leben in seiner Wohnung wieder zurückhaben. Okay, irgendwann musste es soweit kommen, aber es war ein äußerst ungünstiger Zeitpunkt. Ich war pleite, so wie ich es in den letzten 5 Jahren immer war, versuchte gerade meiner beruflichen Selbstständigkeit eine neue Richtung zu geben und hoffte darauf, dass es besser werden könnte. Stephan hielt zu mir, unterstütze mich finanziell und gab mir eine Gnadenfrist von knapp 3 Monaten, einem Zeitraum, indem ich weiterhin bei ihm wohnen durfte und versuchen sollte etwas Geld zu verdienen, um mir dann wieder eine eigene Wohnung finanzieren zu können. 3 Monate, die schnell vergingen, nur leider passierte nichts. Der Tag, an dem ich ausziehen musste, kam. Nur wohin sollte ich? Mein ganzes Geld steckte in meinem neuen Laden und es reichte nicht, um dort fertig zu werden und damit eventuell voranzukommen. Eine Wohnung konnte ich mir auf keinen Fall leisten. Praktisch war ich obdachlos. Mein einziger Ausweg war mein bester Freund Ralphi. Er hatte eine Wohnung, die er selten für sich nutzte, da er die meiste Zeit bei seinem Freund war und er stellte sie mir zur Verfügung, allerdings mit der Option, dass ich jederzeit, wenn er die Wohnung für sich brauchte, sie haben kann und ich mir dann einen anderen Schlafplatz suche. Dieser Schlafplatz war bei Stephan.

Soweit, so gut! Ralphi rief mich also am Dienstagabend an und sagte, dass er Donnerstag und Freitagnacht in seiner Wohnung schlafen wollte, was in den nächsten Wochen häufiger der Fall sein wird, da sein Freund für seine Prüfungen zum Rechtsanwalt lerne müsse und sie sich beide in seinen knapp 30 m² auf die Nerven gingen. Okay, ich hatte ja mit Stephan den Deal, wenn Ralphi seine Wohnung braucht, kann ich zu ihm. Also rief ich Stephan an uns sagte ihm, dass ich bei ihm schlafen müsse. Stephan entgegnete: „Hmm, kannst du Donnerstag nicht bei jemand anderes unterkommen, da ich ein Date habe und wir uns bei mir treffen?“

Das besagte Date war mit dem Architekten, also eigentlich einem potenziellen, da sich dieser Typ noch im Studium befand. Stephan und er trafen sich schon zum zweiten Mal und ich wusste, auch wenn es Stephan nie offen gesagt hätte, dass er den Architekten interessant findet, es also kein klassisches Fickdate ist, sondern ein Date, wo irgendwie Gefühle mit dabei sind. Ich kenne Stephan gut und weiß, wann bei ihm mit jemanden so etwas wie ein Affäre beginnt. Das war ein tiefer Stich in mein Herz! Auf einmal wurde mir bewusst, in was für einer beschissenen Situation ich mich befinde.

Ich war noch lange nicht über Stephan hinweg. Jedes Mal, wenn er mir von einem Fickdate erzählte, musste ich es ihm gleichziehen und mir ebenso eines suchen. Okay, innerlich freute ich mich immer, wenn es ein mieses Date war, aber wenn es mal ein tolles war, machte es mir Angst, gerade dann, wenn er davon sprach, dass er sich gerne ein weiteres mal mit dem Typen treffen möchte. Automatisch gingen bei mir die Alarmglocken an. Achtung, potenzieller Konkurrent! Ich war eifersüchtig, denn ich gestand es ihm nicht zu, dass er vor mir jemanden findet, mit dem es ernster werden könnte, denn schließlich hatte Stephan mich verlassen und durfte erst dann wieder jemanden haben, wenn ich ebenso jemanden hatte. Ich weiß, es ist eigentlich total bekloppt, denn wenn man jemanden liebt, sollte man sich für ihn freuen, wenn er glücklich ist, aber – sorry – nicht auf meine Kosten, dafür bin ich dann doch zu labil, zumindest momentan.

Na ja, also am besagten Donnerstag, war Stephan zum zweiten Mal mit dem Architekten verabredet und ich fand niemanden bei dem ich die Nacht verbringen konnte, also musste Stephan zusehen, dass ich dennoch bei ihm schlafen konnte. Entweder er verschob sein Date, sah zu, dass der Architekt nicht länger als 21 Uhr bei ihm war und sie gingen zu ihm. Letzteres wäre mir am liebsten gewesen, denn so hätte ich den Abend für ich allein gehabt und in mich in meinen Gedanken verlieren können oder hätte mich eben abgelenkt und gut. Leider kam es anders, denn Stephan sah zu, dass der Architekt nicht länger als 21 Uhr bei ihm war. Als ich gegen 22 Uhr zu Stephan kam, war er verdammt gut drauf – logisch, er hatte einen tollen Nachmittag mit einem tollen Typen und tollen Sex – und ich war stimmungsmäßig das absolute Gegenteil. Ich kam rein, sah auf dem Wohnzimmertisch zwei Tassen und Kekse und sah, dass im Regal hinter dem Sofa, da wo immer zwei Kondome liegen, die eine Packung der beiden Kondome aufgerissen und leer war. Toll, ich wusste, dass Stephan und der Architekt dort auf dem Sofa saßen, Tee tranken, Kekse aßen, irgendwann anfingen zu knutschen, sich auszogen und miteinander auf dem Sofa fickten. Ein weiterer, verdammt tiefer Stich in mein Herz und dieses Mal wurde die Klinge sogar noch gedreht. Verdammt, ich wollte das sein, der mit Stephan auf dem Sofa saß, ich wollte mit ihm in seiner Wohnung wohnen, ich wollte mit ihm ein Paar sein und ich wollte mit ihm und nur mit ihm ein gemeinsames Leben führen.

Den weiteren Abend war ich still, saß neben Stephan auf dem Sofa und starrte mehr oder weniger ins Leere. Er schlug vor, dass wir uns Solaris ansehen sollten, da er am Abend zuvor die russische 3-Stunden-Version gesehen hatte und nun damit das amerikanische Pardon mit George Cloony vergleichen wollte. Ich willigte ein, da mir das eh egal war, denn ich war mit meinen Gedanken ganz woanders. Ein Fehler, wie sich im Nachhinein herausstellte, da es in Solaris um Verzweiflung, Verlust und dem nicht Loslassen geht, was sich mit meiner Stimmung deckte und es noch schlimmer machte. Geistesabwesend sah ich durch den Film hindurch und addierte die Emotionen des Filmes mit meinen – kein guter Plan! Stephan bemerkte das natürlich auch und sprach mich nach dem Film darauf an, was dazu führte, dass alles aus mir heraus brach. Wir redeten noch über drei Stunden und gingen dann ins Bett.

Für den Moment half es mir, aber es zeigte mir auch, dass es dieses Mal schlimmer denn je war. Ich musste etwas verändern und ich musste eine Lösung finden, dass ich mit meinem Leben wieder auf den richtigen Weg komme. Nur welcher Weg war der Richtige? Ich hoffe, dass ich mir diese Frage bald beantworten kann. Ich bat Stephan mich in den Arm zu nehmen, weil ich hoffte, dass es helfen würde. Er tat es, aber er tat es auf meinem Wunsch, was dazu führte, dass es gestellt wirkte und nichts brachte. Also drehte ich mich um und schlief ein.