Laut Definition sind Waschweiber einfache Frauen des 12. Jahrhunderts, die am Fluss Wäsche waschen und dabei über das Dorfgeschehen tratschen. Ja, wenn Frauen schon immer etwas konnten, dann – nein, ich sagte jetzt nicht Wäsche waschen – also dann haben sie alles mitbekommen und sich darüber ausgetauscht. Schwulen Männern sagt man ebenso weibliche Gene nach, biologisch völliger Quatsch, aber na ja, ihr wisst schon was ich meine. Die Wäsche macht heute der Öko-Lavamat und die Rolle des Flusses übernimmt das Telefon. Womit wir im hier und jetzt wären.
Heute Nachmittag rief ich also Stephan an. Er hatte gestern sein zweites Date mit dem Veterinärmediziner und ich hab mich mit Ole getroffen. Genug Stoff also um „Wäsche zu waschen“. Das Date von Stephan war okay, der Suhsi-Laden indem sie zuvor waren war besser, na ja, und über die Wohnung vom Veterinärmediziner hat Stephan kein gutes Wort verloren. Noch mehr blau als damals bei mir, nur das meine letzte Wohnung wenigstens noch irgendwie Struktur hatte und im richtigen Licht durchaus gemütlich wirkte. Danke Stephan, ich liebe es, wenn mein Einrichtungsgeschmack so gelobt wird. Nun war ich also an der Reihe. Ole! Ihrer erinnert euch: ER.
Ich erzählte, dass er mich nachmittags anrief und ich vorschlug, dass wir ja am Abend gemeinsam eine Flasche Wein trinken könnten. Wein allein war mir nicht genug, so beschloss ich, noch etwas Süßes mitzubringen. Was liegt da näher als ein unwiderstehliches Stück Torte aus meiner Lieblingspatisserie. Gesagt, getan! Der Wein war gut und Ole war vom Cookietörtchen sehr begeistert – Stella wird es freuen, wenn ich ihr das bei nächsten Mal erzähle. Ole und ich kamen ins Reden. Überraschender Weise redete er dieses Mal tatsächlich weniger, ich hingegen leider mehr, vielleicht zu viel. Ole war geil und hätte mich zu gerne ins Bett gezerrt, doch meine Stimmung war eher noch ein Flasche Wein, gerne auch zwei und tratschen, tratschen, tratschen. Davon erzählte ich also Stephan und es warf sich die Frage auf, ob ich aufgrund der Tatsache, dass ich Oles Verlangen nach Sex nicht nachgekommen bin, bei ihm nicht vielleicht auch das Interesse an meiner Person gekillt habe. Gute Frage und berechtigt. Eigentlich sollte man meinen, dass Sex nicht primär ist, sondern es um den Menschen geht. Aber tickt die schwule Welt tatsächlich so?
Betrachten wir es mal realistisch: Ole kennt man aus dem Fernsehen, er geht langsam auf die 40 zu, ist ein sehr kommunikativer Mensch und kennt Hinz und Kunz. Einsam ist er garantiert nicht – im Gegenteil. Ich weiß er ist unglaublich viel unterwegs, ist jeden Tag mit einem Freund oder Freundin verabredet und wenn nicht findet er es auch gar nicht schlimm zu Hause allein zu sein und z.B. PS3 zu spielen. Aber was bin ich? Ein netter Typ, klar. Intelligent, manchmal auch witzig, ich bin ein guter Zuhörer und irgendwie habe ich auch Charme. Alles schön und gut, aber all das ist nichts Spektakuläres und findet man bei vielen Menschen. Gibt es also für Ole einen realistischen Grund mich in den Kreis seiner Freunde aufzunehmen? Mir fällt keiner ein, zumindest keiner, der mich zu etwas besonderen macht. Also bin ich eine Bekanntschaft, ein Typ den er geil findet und mit dem er ficken will. Komme ich aber diesem Wunsch nicht nach, bin ich doch jemand, der entbehrlich ist. Ich bin einer von vielen, einer, der mal einen kleinen Einblick in sein Leben bekam, mehr aber nicht. Ich persönlich glaube ja, dass ER so ein Mensch nicht ist, aber ich kann natürlich auch die Bedenken, die Stephan geäußert hat, voll und ganz nachvollziehen. Ich hoffe nur, dass ich und nicht, wie so oft, Stephan recht behält.
Was kann ich also daraus lernen? Nichts, denn es ist noch nichts passiert, was unsere Vermutungen bekräftigt. Ein Risiko ist sicherlich da, aber ein Risiko besteht auch, wenn bei rot über die Ampel geht. Das Leben macht was es will und es geht verdammt noch mal immer weiter. (Fortsetzung folgt.)
Donnerstag, 17. Mai 2007
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