Zack! Da war ER. Ich habe auf ihn gewartet und wusste irgendwann mal lernst du ihn kennen. Es geschah gestern Abend. Wie so oft in der schwulen Welt begegnet man sich zufällig im Internet, natürlich – wie sollte es auch anders sein – bei gayromeo.com. Er schlenderte so an meinem Profil vorbei und das war’s. Hey, Moment mal, dachte ich mir, dass ist ER doch und wann immer du ihm im Fernsehen gesehen hast, wusstest du, dass du ihn kennen lernen willst. Meine erste Begegnung hatte ich ja bereits vor drei oder vier Jahren mit ihm. Im Berio, dem schwulen Café schlechthin am Schöneberger Catwalk. Dort saß ER ein paar Tische weiter und genoss seinen Milchkaffee und rauchte dazu eine Marlboro Light. Damals fragte ich mich: Ist er es tatsächlich? Ich hatte ihn damals nur mit kurzen Haaren in Erinnerung, aber zu diesem Zeitpunkt trug er sie schon so, wie man es jetzt vom ihm kennt. Ich war mir unsicher und entschloss mich, ihn erst einmal nicht anzuquatschen, sondern mich erst zu vergewissern ob er es tatsächlich ist. ER war es, wie mir Google später verriet und na ja, es war eine verpasste Chance. So what! Berlin ist ein Dorf und früher oder später läuft man sich garantiert ein zweites Mal über den Weg. Aus den Augen, aus den Sinn.
Bis gestern! Denn auf einmal war er greifbar nah, ich musste ihm nur eine Message schreiben und darauf hoffen, dass er antwortet. Ich schrieb: „Hey, mit dir würde ich ja gerne mal einen Kaffee trinken gehen!“ Nichts spektakuläres, aber bei weitem besser, als die sonst übliche Kommunikation, die meist aus einen einfachen „Hi, wie geht’s dir?“ besteht, wobei Groß- & Kleinschreibung und korrekte Kommata schon ein Wunder wären. Ich selbst reagiere auf so was nur selten, okay, ich gebe jedem eine Chance und antworte nett und hoffe darauf, dass in der zweiten, spätestens in der dritten Message, etwas zurück kommt, was meinem Anspruch an Kommunikation gerecht wird, aber oft genug ist das nicht der Fall. ER hat geantwortet und schrieb: „Ich würde mit dir auch gerne einen Kaffee trinken gehen...oder auch zwei!“ Der erste Schritt war getan. Wie messageten dann noch ein wenig weiter, ich versuchte witzig zu sein, er machte mir Komplimente, wir sprachen über unsere Kinder (also die Hunde) und dann fragte er mich, ob ich nicht Lust hätte so ganz spontan mit ihm ein Feierabendbier trinken zu gehen. Ein Mann nach meinem Geschmack, bisschen Smalltalk, aber dann zur Sache und gar nicht erst hinaus schieben. Das Hinausschieben ist nämlich auch so eine Marotte bei gayromeo.com. Wie oft habe ich das schon erlebt, dass man sich mit einem netten Typen unterhält und sich mit ihm treffen wollte. Und dann kommt so was: „Hach, es ist heute schon ganz schön spät, ich bin müde, können wir uns nicht irgendwann in den nächsten Tagen treffen?“ – Klar, können wir, mal sehen, schreib mich einfach an und dann gucken wir mal. Man trifft sich nie in den nächsten Tagen, zumindest in den seltensten Fällen. Denn, Hallo, ich habe in dem Moment Bock mich zu treffen, in ein oder zwei Tagen interessiert mich etwas anderes und wenn es nur das Fernsehprogramm ist.
Ich schweife ab. Also ER wollte sich jetzt mit mir treffen und ich hatte Lust, zumal es – wie erwähnt – irgendwann mal in den nächsten Tagen unter Umständen nicht dazu kommen würde. Zack, hatte ich seine Telefonnummer und ich rief ihn an. Er war witzig am Telefon, ich hoffentlich auch. Wir wollten dann ins Freizeitheim, mein Lieblingsladen in Prenzlauer Berg, aber das Freizeitheim hatte zu und so landeten wir im Schall und Rauch, einem Lokal, wo er häufig zu Gegen war und die ganze Mischpoke kannte. Natürlich kam er zu spät und er war nass, denn er kam mitten in den Wolkenbruch und seine zu Recht gemachten Haare waren zerstört. Solche Momente zeigen mir immer wieder, dass es gut ist, dass ich meist eine Mütze trage. Er trank Beck’s, ich Wein, sein Hund Charlie hatte nur Leckerlies im Kopf und die Barschlampen, Matthias und Sebastian (und nicht Andreas, wie ich ihn nannte – Sorry, Sebastian!) hatten nichts zu tun und stahlen mir die Show. Dennoch hatte ich genug Gelegenheit mehr über ihn zu erfahren und muss sagen, dass ich mir ihn so tatsächlich vorgestellt hatte. Mir war klar, dass er gerne redet, viel redet, sehr viel redet, aber ich fand hier und da durchaus auch die Gelegenheit kurz etwas über mich zu erzählen. Gegen 1 Uhr wurden dann Sebastian und Matthias ungeduldig und wollten Feierabend machen. Ich kann es verstehen, denn ich habe selbst oft genug hinter der Bar gearbeitet und meine letzten zwei Gäste verflucht, da sie einfach nicht nach Hause wollten und ich bereits alles Notwendige erledigt hatte. Ich brüllte in den Raum: „Jungs, wenn ihr uns endlich loswerden wollt, dann bringt uns mal noch einen Schnaps aufs Haus!“ Hat funktioniert. Es funktioniert immer. Sebastian, ich nannte ihn natürlich Andreas, brachte uns beiden Jägermeister mit Maracuja gemischt - Prost! Also rauchten wir noch eine und beschlossen, dann zu ihm zu gehen um dort noch einen Absacker zu trinken.
Er wohnte in einer Altbauwohnung in der Schönhauser Allee. 3. Etage, 3 Zimmer, hohe Decken und im Wohnzimmer ein riesiger Ofen – ich war von diesem Ofen begeistert, denn ich mag Ofenwärme sehr. Das Zentrum seines Wohnzimmers war eine riesige Sofalandschaft, wo man bequem eine Großfamilie von 10 Personen darauf platzieren könnte. Ansonsten war seine Wohnung ein wenig chaotisch, wenig persönliche Erinnerungsstücke, aber zumindest eine Grünpflanze. Wir tranken Bailey's Caramel und saßen uns auf dem Sofa gegenüber. Wir hatten Körperkontakt. Er redete weiter, beantworte meine Fragen, die ich ihm aufdrängte und jetzt hatte ich sogar etwas häufiger die Gelegenheit etwas zu erzählen.
Im Übrigen, wenn du dass hier irgendwann mal liest: Es stört mich nicht, dass du fast nur über dich geredet hast, ich höre gerne zu und es hat mich natürlich auch interessiert. Für alle anderen: Keine Chance, ich werde hier keine Details preisgeben, zwischen den Zeilen steht sehr viel, mehr gibt es nicht.
Die Zeit verging, es war 20 vor Vier und er sagte dann zu mir, dass er jetzt ins Bett müsse, da ja die Putzfrau um 9 Uhr kommt. Er fragte mich, ob ich mich zu ihm ins Bett lege oder nach Hause gehen wollte - Ich ging nach Hause. Nicht, dass ich nicht gewollt hätte, aber mein Hund war allein, hatte noch nichts zu essen bekommen und außerdem war ich auch ein wenig zu betrunken, zu sehr, dass ich in solchen Momenten lieber die Nacht allein verbringen will. Er bekam einen Abschiedskuss und ich machte mich auf den Weg durch die Nacht.
Ein paar Minuten später erhielt ich eine SMS in der er sich für den schönen Abend bedankte und mir mitteilte, dass er nun im Bett sei und wie toll er es jetzt finden würde, wenn ich an seiner Seite liegen würde. Was schrieb ich zurück? „Ich habe zu danken und wahres Begehren findet sich in der Geduld!“ Boah, wie konnte ich nur so einen Mist schreiben. Es tut mir leid!
Sei es drum, mal sehen, ob er sich ein weiteres Mal mit mir treffen wird. Ich hoffe es und hoffe darüber hinaus, dass ich beim nächsten Mal nicht nach zwei Gläsern Wein, einem Shooter und zwei Bailey's Caramel so angetrunken bin. Eigentlich vertrage ich mehr. Olé-Olé !!!
Dienstag, 15. Mai 2007
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