Samstag, 2. Juni 2007

Brief an Stephan

Wenn ich mir Bilder von dir ansehe und in deine ehrlichen blauen Augen schaue, die im richtigen Licht einen grünen Stich bekommen, fühle ich mich wohl. Ich betrachte die Fotos von dir mit Sehnsucht, mit Begehren und vor allen mit Wehmut an eine der schönsten Zeiten meines Lebens. In meinen Augen ist dein Körper makellos, ich liebe den Salamander neben deinem Bauchnabel, das kleine Lederbändchen, dass du um deinen Knöchel gebunden hast und ich liebe es, wie du mit deinen Reizen spielst. Das Posen vor dem Spiegel, wenn du unentschlossen bist, ob du das richtige Outfit gewählt hast, dein Lächeln, dass einerseits engelsgleich ist, anderseits aber auch direkt aus der Hölle kommen könnte, deinen Sarkasmus und deine Verlegenheit, all das bist du und all das liebe ich an dir.

Nach unserer Trennung, hast du mein Herz zerrissen und auch heute, sechs Monate danach, ist es immer noch zerbrochen. Ich habe es akzeptiert und lebe weiterhin mein Leben und obwohl du nach wie vor ein Teil dessen bist, ist mein Herz immer noch dem deinen verpflichtet. Es sind die Erinnerungen und auch das jetzt, dass mir jeden Tag aufs Neue einen Stich mitten in mein Herz versetzt. Ich stehe in deiner Wohnung und weiß, hier bin ich zu Hause, so wie hier kann ich dich nirgends intensiver spüren. Ich sehe die Bilder an deinen Wänden und weiß, was du beim Malen empfunden hast. Ich sehe das Bett in dem wir gemeinsam schliefen, ich sehe, wie wir uns darin liebten, aber ich sehe auch, dass du in den vergangenen Monaten dort mit anderen dich geliebt hast. Ich weiß, wer es ist und ich weiß ebenso, dass du Gefühle für ihn hast. Du sagst zwar, dass du mit ihm nur eine Affäre hast und du sagst auch, dass du dir mehr mit ihm nicht vorstellen kannst, aber in deinen Worten höre ich, dass du von ihm schwärmst. Du sagtest zu mir, dass wenn man jemanden liebt (so wie ich dich), dass man sich doch dann darüber freuen muss, dass der andere glücklich ist. Man muss loslassen und sich dem Neuen öffnen. Doch ich bin unglücklich und noch lange nicht bereit dich tatsächlich gehen zu lassen.

Wann immer ich die Gelegenheit habe in deiner Nähe zu sein, wann immer es mir möglich ist einen Teil unserer Zeit zurückzuholen – ich mache es und fühle mich nur dann richtig wohl.

Ich treffe mich ebenso mit anderen Männern und habe, so gesehen, auch eine Affäre, aber in dieser, meiner Affäre gibt es nur wenige Sekunden in denen ich glücklich bin. Die meiste Zeit denke ich nur an dich und stelle fest, wie viel von dem, das ich mir wünsche in deiner Person vereint ist. Du warst nie perfekt, aber näher dran, als alle anderen zuvor. Ich weiß, dass du dich häufig zu sehr eingeengt fühltest, aber ich weiß auch, dass du ebenso mehr als in allen deiner anderen Beziehungen zuvor, unsere Beziehung zu schätzen wusstest und es tief in deinem Inneren geliebt hast. Ich frage mich oft, ob es der falsche Zeitpunkt war, aber bin mir auch bewusst, dass es den richtigen Zeitpunkt niemals gibt. Könnte ich in die Zukunft schauen, wäre die einzige Frage, ich stellen würde die, ob wir beide irgendwann noch einmal einen zweiten Versuch finden werden.

Bis dahin ist es, wie es ist und stelle erneut fest, dass in mir eine Leere herrscht. Ich fülle sie mit vielerlei Dingen, aber nichts davon hat Bestand. Das mit uns, dass war etwas dass meine innere Leere füllen konnte, nicht vollständig, aber mehr, als alles sonst. Letztendlich geht es nur darum etwas fühlen zu können! – Mit dir war es einfacher!

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