Freitag, 7. Dezember 2007

Wir sind Gott, jeder für sich auf seine eigene Art und Weise

Meine Meinung zu folgendem Artikel bei DIE ZEIT Wissen "Lieber Gott auf Erden" , etwas worüber man nachdenken sollte.


Gibt es einen Gott oder gibt es ihn nicht? Diese Frage sollte sich nicht stellen, denn Gott ist nur eine Personifizierung für etwas, dass niemand je verstehen wird und es ist auch unwichtig. Wir leben im 21. Jahrhundert, sind vernetzt, weltoffen, gebildet und können uns Dinge erklären, die vor einem Jahrhundert noch nicht einmal bekannt waren. Gott hingegen wird immer ein Mysterium bleiben. Viel wichtiger sollte uns daher die Frage sein, ob wir noch in der Lage sind an die Gesellschaft zu glauben.

In der Bibel heißt es Gott schuf den Menschen nach seinem Ebenbild. Demnach sind wir Gott, jeder für sich und jeder auf seine eigene Art und Weise. Eine schöne Vorstellung, auch keine Neue, nur fällt es uns schwer an uns selbst zu glauben, denn wir benötigen etwas bzw. jemanden dem wir die Verantwortung übertragen können. Im Namen von Gott wurden Kriege geführt und Menschen getötet, Menschen sterben bei Unfällen, Menschen werden schwer krank, Menschen leiden Hunger, sind einsam, drogenabhängig und obdachlos. Wir leben in einer Welt, die so gottgewollt nicht sein kann. Warum lässt also der allmächtige und einzige Gott all das zu?

Die Antwort darauf ist ernüchternd: Nicht Gott lässt all das zu, sondern einzig und allein wir Menschen. Die gesamte Gesellschaft, jeder für sich allein. Wir tuen uns schwer damit Nächstenliebe zu zeigen, wir zerstören die Umwelt, vernachlässigen Kinder, führen Kriege und denken nur noch an uns selbst. Und ja, ein einzelner kann die Welt nicht retten, ein einzelner kann keine Kriege verhindern und natürlich kann man auch nicht jedem Obdachlosen auf der Straße einen Euro zustecken. Darum geht es aber auch nicht.

Die moderne Gesellschaft hat es verlernt die Augen zu öffnen und nicht nur sich, sondern ebenso die Menschen um einen herum wahrzunehmen. Wann haben Sie das letzte Mal auf der Straße einen Menschen angelächelt, einfach nur so? Oder, wann haben Sie das letzte Mal einem Menschen ins Gesicht gesehen und sich gefragt, wie es diesem Menschen wohl geht? Ist es lange her? Vermutlich ja und genau das ist es was unsere Gesellschaft bereits krank gemacht hat und früher oder später vielleicht sogar zerstören wird.

In Zeiten wo nur noch ein kleiner Teil der Gesellschaft den Glauben an eine bessere Welt hat, ist es wichtiger denn je, dass man Glauben thematisiert. Das können die Kirchen tun, dass können Gespräche im Freundeskreis sein, aber vor allem sollte sich jeder selbst mit seinem Glauben auseinandersetzen.

Glaube an sich ist tolerant, Glaube sollte keinen Regeln unterliegen und Glaube sollte an keine Religion gebunden sein. Die Gedanken sind frei, ebenso wie der Glaube. Es ist okay, wenn ein jeder an etwas anderes glaubt und es ist auch okay, wenn man sich dem Glauben einer Gruppe anschließt. Aber man sollte niemals aufhören zu Glauben. Glaube ist ein Motor, ein immerwährender Antrieb weiterzumachen.

Ich, für meinen Teil, habe es gelernt Menschen wahr zunehmen. Ich schaue in ihre Gesichter und begegne ihnen mit Respekt. Wer seine Augen für andere öffnet wird Freude erfahren und kann mit einfachen Gesten sehr viel geben. Unsere Gesellschaft muss sich neu entdecken.

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